Gedanken zum 1. FC Köln

Es hat doch einige Wochen gedauert, bis sich hier wieder etwas tut. Egal. Jetzt hatte ich gerade Zeit und Lust und wollte mich mal wieder etwas intensiver mit dem 1. FC Köln beschäftigen, nachdem ich vor zwei Wochen (nach langer Abstinenz) endlich mal wieder im Stadion war. 1:0 gegen Ingolstadt, keine Fußball-Feinkost, aber ein solider Zweitliga-Sieg.

Was mich zu dem bringt, was ich eigentlich schreiben will: dass ich mit der Hinrunde des Effzehs zufrieden bin. Nachdem die Mannschaft des von mir sehr geschätzten Holger Stanislawski zu Anfang der Saison auf den Abstiegsplätzen rangierte, sieht’s jetzt doch ganz gut aus. Unter den vergangenen zwölf Spielen war nur eine Niederlage dabei. Zum Zunge schnalzen waren zwar die wenigsten Spiele, die ich gesehen habe, aber das konnte man auch nicht unbedingt erwarten. Ich zumindest habe nach dem personellen Umbruch im Sommer (Abgang von Podolski, Riether, Lanig, Novakovic, Rensing…) keine Wunderdinge erwartet – schon gar nicht den direkten Wiederaufstieg.

Denn die Mannschaft ist jetzt eben die jüngste der zweiten Liga (siehe Datawrapper-Grafik) und folglich noch nicht besonders “abgeklärt”, wie es die Fußballreporter im Fernsehen immer so schön sagen.

Trotzdem hat der FC jetzt nur sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Und hätte er die allemal möglichen Siege zum Beispiel gegen Kaiserslautern (3:3) und zuletzt gegen Braunschweig (2:2 nach einem tollen Spiel) eingefahren, würde das Team jetzt schon zum Kreis der Aufstiegsaspiranten gezählt. Ob das gut wäre? Ich glaube nicht.

Das Spiel gegen Braunschweig hat mir als Zuschauer richtig Spaß gemacht, die Kölner sind gerannt, haben gekämpft und in Ansätzen guten Fußball gezeigt. So macht mir der FC Bock. Und das Spiel hat gezeigt, dass das Team in der Zweiten Liga gut mitspielen kann. Aber würde das nächstes Jahr auch in der ersten Liga klappen? Ich seh’s – Stand jetzt – nicht. Weil es eben auch immer wieder triste, richtig schlechte Spiele gibt. Klar, wenn der FC am Ende der Saison doch noch um die Aufstiegsplätze mitmischte und tatsächlich aufstiege – ich würde mich nicht beschweren. Aber es hätte auch etwas für sich, wenn die Mannschaft sich diese Saison weiter finden und einspielen dürfte und am Ende einen soliden einstelligen Platz erreichen würde. Etwas Neues aufzubauen, das braucht Zeit (wenngleich sich der FC wegen seiner finanziellen Schieflage leider nicht viel Zeit lassen kann).

Doch auch, wenn von Vereinsseite im Sommer eher bescheidene und demütige Töne kamen, ist es in Köln kaum möglich, einen einstelligen (Nichtaufstiegs-)Platz in der zweiten Liga einfach mal als Erfolg zu werten. Es geht schließlich um den großen 1. FC Köln, den ruhmreichen rheinischen Traditionsverein, das Gründungsmitglied der Bundesliga, den dreimaligen Deutschen Meister. Ja, sicher. Nur wurden die Deutschen Meisterschaften so etwa kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg erspielt und den ruhmreichen 1. FC Köln habe ich als Fan (seit Anfang der 1990er-Jahre) nicht mehr kennengelernt. Es nervt mich, dass leider die Erwartungen – der Fans, der Medien, des Umfelds – an den 1. FC Köln nie an seine tatsächliche Leistungsfähigkeit angepasst wurden. Ich habe in der folgenden Zeitleiste (erstellt mit Timetoast) einmal versucht, einige wichtige Meilensteine zusammenzufassen, die die Historie des FC seit Ende der 1990er-Jahre bestimmt haben: Fünf Abstiege aus Liga eins (vier Aufstiege), ein bisschen Daum-Überhöhung und eine schöne Podolski-Zeit – das war’s. (Die Punkte in der Leiste lassen sich anklicken, dahinter gibt’s teilweise weiterführende Links.)


Eine größere Ansicht der Zeitleiste gibt es hier.

Das ist natürlich arg zugespitzt. Was ich sagen will: Es gibt in Anbetracht der vergangenen 15 Jahre aus meiner Sicht keinen Grund, den 1. FC Köln als unbedingten Aufstiegskandidaten in Liga eins zu sehen. Und auch (natürlich auch von mir schon getätigte) Aussagen wie “Aber ein Traditionsclub wie der FC gehört doch in die erste Liga” sind Quatsch. In die Bundesliga gehören momentan Mannschaften wie Freiburg, Mainz und Hannover, bei denen über Jahre hinweg etwas aufgebaut wurde, und die sich als dauerhaft bundesligatauglich erwiesen haben. Das ist beim FC in der jüngeren Vergangenheit leider nicht gelungen.

Ich würde mich freuen, wenn beim Aufenthalt in der zweiten Liga beim 1. FC Köln eine Mannschaft zusammenwächst, die in ein paar Jahren mit den Freiburgern, Mainzern, Hannoveranern zu vergleichen ist.

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