Zeitungs- und Zeitschriften-Apps für Android

Seit einem Monat bin ich im Besitz eines Android-Tablets (Google Nexus 7). Damit gehöre ich im Marketing-Jargon gesprochen allenfalls noch zur „Early Majority“ der Tablet-Inhaber, also den 34 Prozent der Konsumenten, die die 2,5 Prozent der „Innovatoren“ und die 13,5 Prozent der „Early Adopters“ neue Produkte erst einmal kaufen und ausprobieren lassen. Trotzdem will ich ein kurzes Fazit ziehen. Ich möchte vor allem meine Erfahrungen mit einigen Apps von Zeitungen/Zeitschriften schildern – diese flexibel herunterzuladen und lesen zu können, war ein Grund, weshalb ich mir ein Tablet gekauft habe.

Für mich war schnell klar, dass mir ein iPad und andere 10-Zoll-Tablets zu groß sind. Wenn ich ein mir ein Gerät kaufe, das ich auch unterwegs mitnehmen will, soll es auch tatsächlich handlich sein. Also sah ich mich bei den 7-Zoll-Geräten um und entschied mich schließlich gegen das iPad-Mini (für meinen Geschmack zu teuer) – und für das Google Nexus 7. Wer vor der Entscheidung steht, kann sich zur Entscheidungsfindung zum Beispiel die hilfreichen Beiträge hier und hier ansehen.

Was das Gerät angeht, bin ich mit dem Nexus 7 bislang sehr zufrieden. Ich will hier nicht ins Detail gehen, zumal ich mich nicht sonderlich für die genaue Leistung und Hardware-Extras begeistern kann: Das Ding tut’s, es ist schnell, einfach zu bedienen, ist noch nie abgestürzt, das W-LAN läuft einwandfrei (mit drei verschiedenen Modems getestet; 3G habe ich noch nicht ausprobiert), das Display ist sehr gut, die Kamera nutze ich nicht wirklich.

Apps gibt’s nur aus dem “Google Play Store”

Was die Software – also die Apps – angeht, ist man mit dem Google Nexus aufgrund des darauf installierten Android-Systems natürlich genauso an einen Appstore gebunden, wie man es mit dem iPad oder dem Kindle Fire ist: Es gibt nur das, was der “Google Play Store” in seinen digitalen Regalen hat. Das ist viel, aber verglichen mit iTunes deutlich weniger – das muss einem klar sein, wenn man sich fürs Android-Universum entscheidet.

Mir war das grundsätzlich klar, trotzdem war ich an einigen Stellen enttäuscht, weil ich als Android-Nutzer einige Apps von Zeitungen/Magazinen (noch) gar nicht oder nicht für mich zufriedenstellend nutzen kann.

  • Wer bei Google Play nach FAZ, FAS, Welt, Handelsblatt sucht, findet – nichts.
  • Auch die Süddeutsche Zeitung hat zwar Ende 2012 endlich eine SZ.de-App für Android-Geräte gestartet (die auch gut ist und Spaß macht!), die digitale Version der Zeitung gibt es leider nur für iPad und Windows 8. Laut Stefan Plöchinger, Chef von Sueddeutsche.de, ist eine Android-Ausgabe der SZ allerdings noch für 2013 in Planung  (vgl. Medium Magazin 03/2013, 44-45).
  • Den Spiegel gibt es für Android – leider allerdings nicht als Einzelausgabe, sondern nur im Abo. Nun habe ich den Spiegel zwar im Print-Abo, trotzdem gäbe es ab und an die Gelegenheit, dass ich ihn lieber digital lesen würde. Das geht aber nur, wenn ich ihn zusätzlich digital abonniere. Das kostet zwar nicht die Welt – ich möchte es aber trotzdem nicht. Warum ich ihn nicht bei Bedarf als Einzelausgabe kaufen kann, weiß ich nicht.
  • Bei der Zeit ist das Problem dasselbe: Während iPhone-, iPad- und Kindle-Kunden die App auch einzeln kaufen können, erhalten sie Android-Nutzer ausschließlich im Abo. Man arbeite an einer Lösung, heißt es auf der Zeit-Homepage. Auch hier gilt für mich: Ich will kein Abo abschließen, obwohl es – immerhin – jederzeit kündbar wäre. Was die Funktionsfähigkeit der Android-Zeit angeht: Ich muss das Nexus 7 quer halten, dann wird die Schrift größer und sie ist lesbar. Hochkant ist das mit meinen Augen nicht der Fall.
  • Magazine wie brandeins oder die WiWo, die ich mir wohl hin und wieder digital kaufen würde, gibt es für Android-Geräte auch noch nicht.

Die taz kann man auch für Android-Geräte – und auch ohne Abo – herunterladen. Man kann auf den Seiten entweder einzelne Artikel antippen, um sie herausgelöst aus dem eigentlichen Layout vergrößert zu lesen; oder man öffnet sich die Seiten als pdf-Datei.

Ach ja, die Bild habe ich natürlich auch mal ausprobiert. Die gibt’s 30 Tage kostenlos, danach kostet sie 1,59 bis 3,99 Euro im Monat. Abgesehen davon, dass ich sie nicht haben möchte, ist sie schlecht zu lesen, da man sich nur durch Zoom-in-zoom-Out fortbewegen und darin lesen kann. Vielleicht ist das aber auch für das 7-Zoll kleine Gerät ein besonderes Problem, bei einem 10-Zoll-Gerät sieht man naturgemäß schon mehr von der Seite und muss weniger umherscrollen.

Regionale Zeitungen

Neben einigen Medienklassikern, die man sich halt so aufs Tablet lädt (Tagesschau-App, Heute-App), habe ich vor allen Dingen weitere, größtenteils regionale Zeitungen ausprobiert.

  • Die Ruhr Nachrichten: Habe ich als Mitarbeiter im Print-Abo, lese sie inzwischen aber fast nur noch auf dem Tablet. Die tagesaktuelle Ausgabe kann schon angelesen werden, ehe sie komplett heruntergeladen ist. Auf den einzelnen Seiten kann ich mit zwei Fingern in die Seiten hineinzoomen und so lesen oder Fotos anschauen, wenn ich das möchte; vor allem aber kann ich die einzelnen Artikel separat aufrufen und dann – größenmäßig ans Tablet optimiert – lesen.
  • Das funktioniert bei der Rheinischen Post in etwa genauso. Ob ich dort Einzelausgaben kaufen kann, habe ich bislang nicht herausgefunden, mich aber auch nicht besonders intensiv damit beschäftigt. RP Plus, das coole digitale Sonntagsmagazin der RP, gibt es leider nur fürs iPad.
  • Bei der Frankfurter Rundschau und beim Kölner Stadtanzeiger gibt es Android-Ausgaben der Apps, die inhaltlich interessant und multimedial sind und auch einzeln (über Google abgerechnet) gekauft werden können. Das Laden dauert eine Weile, was nicht das Problem ist. Dafür aber die Schriftgröße, die für meinen Geschmack/für meine Augen schlichtweg zu klein ist. Man kann so zwar auch ohne eine Lupe lesen, ich finde es aber anstrengend. Vergrößern lässt sich die Schrift mit dem Nexus leider nicht. Schade. Um die Apps zu nutzen, muss man das Nexus 7 übrigens quer halten, sonst funktioniert es nicht.

Die Sammlung zeigt, dass es durchaus noch Nachholbedarf gibt, was das Angebot von Zeitungs-/Zeitschriften-Apps für Android angeht. Gelohnt hat sich der Kauf für mich trotzdem, da ich einfach wieder viel mehr und viel lieber im Internet lese. Ob mithilfe von Apps wie denen von SZ.de und SpiegelOnline oder auf mobil-optimierten Seiten: Es macht mir sehr viel mehr Freude, auf dem Tablet zu lesen, als auf dem Laptop-/PC-Bildschirm.

3 Kommentare zu “Zeitungs- und Zeitschriften-Apps für Android

  1. Willkommen im “Android-Universum”, Micha!
    Wirklich gebunden bist Du an Google Play nicht. Möchtest Du Deine Kreditkartendaten und Dein Nutzungsverhalten lieber anderen Anbietern andienen, gibt es da genügend proprietäre Alternativen mit eigener Preisstruktur und u.U. auch einer leicht anderen App-Auswahl, da manche Apps bei Google Play rausfliegen, siehe AdBlock, oder erst gar nicht zugelassen werden. Hinzu kommen antürlich unzählige Apps, die in keinem store veröffentlicht werden, und deren vom Entwickler angebotene apk Du manuell installieren kannst. Beides ist aber für Nachrichtenapps wohl eher weniger zutreffend.

    Was aber die Angebotspalette angeht, würde ich ohnehin keine zeitliche Dimension im Sinne von Nachholbedarf aufmachen. Ich glaube vielmehr, dass in Zeiten von HTML5 basierten Webapps – und dazu in letzter Zeit einer Diversifikation mobiler Betriebssysteme ein bunter Blumenstrauß teurer, wartungsintensiver und wenig zukunftssicherer nativer Apps eine Strategie der Vergangenheit ist – was hoffentlich auch der ganz gerne dort verhafteten Holzpresse aufgeht, die sich mit ihren single-OS Apps scheinbar für die Speerspitze der Moderne hält, und es auch noch stolz bewirbt, wenn man ihr Nachrichtenangebot irgendwann dann auch mal auf einem singulären! mobile device nutzen kann…

    Wenn der BDZV seine Liste mobiler Dienste etwas ambitionierter pflegen würde, ließe sich denke ich noch besser erkennen, wohin die Reise geht. http://www.bdzv.de/zeitungen-online/mobile-dienste/
    Es wird aber auch so ganz gut sichtbar, dass diesmal vor allem die Kleinen, wohl vor allem aus Kostengründen heraus Vorreiter webbasierter Lösungen sind, wärend die Platzhirsche weiter unbeirrt den Agenturen Unsummen für Einzellösungen in den Rachen werfen. Wenigstens portieren einige inzwischen HTML5 Lösungen in Appkonzepte – fragt sich nur, ob wissentlich, oder eher durch externe Entwickler motiviert, und ob diese Kosteneinsparungen für mehrere Apps die Auftraggeber überhaupt erreichen…

    Was Du ganz unterschlagen hast – was ist denn Deine persönliche Lieblings-Newsapp, und wie siehst Du die Mobilisierung bei den Ruhr Nachrichten?

  2. Danke, Fabs, wobei ich nicht ganz neu im Android-Universum bin, sondern – via Smartphone – schon etwas länger. Allerdings nutze/lese ich mobiles Internet und Apps auf dem Smartphone nur auf kurzen Wegen von A nach B, für längere Strecken sind mir die Bildschirme einfach zu klein. Da ist ein Tablet, auch wenn “nur” ein 7-Zoll-Gerät, schon was feines.

    Außerhalb des Appstores habe ich tatsächlich noch nicht wirklich nach Apps gesucht; kannst du was Einzelnes empfehlen oder eine Seite mit Empfehlungen?

    Bezüglich deiner Anmerkung zum “Nachholbedarf” gebe ich dir recht beziehungsweise korrigiere ich mich: Es muss nicht unbedingt eine Android-App ran. Wenn Verlage/Webseitenanbieter ihre Angebote dergestalt fortentwickeln, dass ich sie z.B. in Form einer HTML5-basierten Webapp nutzen kann statt als Android-App, ist mir das völlig recht! Sprich: Mir ist prinzipiell egal, wie ich zum Beispiel an Geschichten aus dem Spiegel herankomme, solange ich sie nur irgendwie – am besten nutzerfreundlich und gerne einzeln statt im Heftverbund – auf dem Gerät lesen kann.

    Zu den unterschlagenen Infos: 1) Die Mobilisierung der Ruhr Nachrichten zeigt sich einerseits in der von mir angesprochenen Zeitungs-App, die wie gesagt für Android und schon länger für die iFamilie verfügbar ist. Die App ist mehr Epaper als App im Sinne der multimedialen Angebote von RP Plus oder FR-App, ohne Schnickschnack, aber solide – ich finde sie gut. Was da als nächstes kommt, kann ich nicht sagen, weil ich es nicht weiß. Die mobile Webseite der Ruhr Nachrichten ist für den schnellen Überblick über die Themen auf der Seite okay. Darüber hinaus, z.B. bei der Einbettung von Videos, besteht noch Luft nach oben.

  3. Ich gucke mich dann und wann immer mal bei xda-devs um.
    Viele kleine Scripte und App-hacks und natürlich erst recht die custom ROMs sind gerätespezifisch, da musst Du mal sehen, was da das GN7 Board zu bieten hat, in Anbetracht der Popularität Deines Tablets aber wohl so einiges.
    Aber auch deviceübergreifendes ist zu haben, das eben nur zum Teil in Stores zu finden ist – wie zum beispiel modifizierte Apps, etwa facebook ohne Geolocations – derartige Alternativen wird man bei Google verständlicherweise vergeblich suchen. Einfach mal ein bisschen umschauen.
    http://forum.xda-developers.com/forumdisplay.php?f=993
    http://forum.xda-developers.com/forumdisplay.php?f=1507
    http://forum.xda-developers.com/forumdisplay.php?f=530

    Aber es wird wohl noch unzählige andere Quellen geben, beispielsweise Sammlungen älterer App-Versionen, die sich beim Update eher zum schlechten gewandelt haben – z.B. Google Maps, vor dem 6.9.0 Update noch mit voller Offline Funktion für Karten. Im Store dann nur noch in aktueller Version, aber quer durchs Netz bei diversen Mirrors noch in älterer Versionierung zu haben, z.B.
    http://www.freewarelovers.com/android/app/google-maps

    Einfach mal ein bisschen auf die Suche begeben und den nicht ohne Grund so bequemen Pfad zum naheliegenden Appstore verlassen, und man ist überrascht, welche non-bis-semikommerzielle Bandbreite links und rechts zu finden ist.

    p.s. Du bist irgendwie bei 1) stehengeblieben -,-

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